Seit mehr als sieben Jahrzehnten verbindet die Materialseilbahn den Gipsabbau in Wienern am Grundlsee mit dem Werk von SAINT-GOBAIN Austria in Bad Aussee. Die besondere Transportlösung zeigt, wie etablierte Infrastruktur zur Entlastung des regionalen Straßenverkehrs beitragen kann.

Wer im Ausseerland den Blick nach oben richtet, kann sie zwischen Wald und Berglandschaft entdecken: die Materialseilbahn, die den Gipsabbau in Wienern am Grundlsee mit dem RIGIPS-Werk in Bad Aussee verbindet. Auf einer Strecke von rund 8,5 Kilometern transportiert sie den gewonnenen Rohstein direkt vom Bergbau zur Verarbeitung.

Die Anlage wurde Anfang der 1950er-Jahre errichtet und im August 1952 sukzessive in Betrieb genommen. Ihre Trasse führt über mehrere Teilstrecken und zwei Winkelstationen bis nach Unterkainisch. Ein besonderes Bauwerk liegt bei Anger: Dort verläuft die Landesstraße unter einem denkmalgeschützten Schutzbau hindurch.

Der wesentliche Vorteil liegt im kontinuierlichen Transport abseits der Straße. Mit einer jährlichen Transportleistung von rund 275.000 Tonnen ersetzt die Seilbahn nach veröffentlichten Projektdaten etwa 20.000 Lkw-Fahrten pro Jahr. Dadurch werden nicht nur Straßentransporte vermieden, sondern auch die Orte entlang der Strecke vom zusätzlichen Schwerverkehr entlastet.
Damit die historische Anlage auch weiterhin zuverlässig betrieben werden kann, wurde sie umfassend modernisiert. Dazu gehörten unter anderem Anpassungen an der Mechanik, ein modernes Steuerungssystem sowie die Erneuerung zentraler Stationen und Kuppelapparate. Im Jahr 2017 wurde außerdem das Betriebsgebäude der Mittel- und Antriebsstation auf der Auermahd erneuert.

Die Materialseilbahn ist damit mehr als eine technische Besonderheit: Sie verbindet regionale Rohstoffgewinnung mit einer dauerhaft nutzbaren Transportinfrastruktur und zeigt, welchen Beitrag standortbezogene Logistiklösungen zur Reduktion des Straßenverkehrs leisten können.