Das vom Österreichischen Weinbauverband initiierte Gütesiegel „Nachhaltig Austria“ gibt Traubenproduzenten und Weinbaubetrieben die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit ihrer Wirtschaftsweise beurteilen und zertifizieren zu lassen.

© ÖWM / Robert Herbst
Die Zertifizierung „Nachhaltig Austria“ nimmt seit ihrer Implementierung im Frühjahr 2015 eine internationale Vorreiterrolle ein. Der „Europäische Green Deal“ mit den Zielen 2030 und 2050 bildet einen zentralen Bestandteil der „Nachhaltig Austria“ Zertifizierung. Dabei stehen Reduktion von Treibhausgasen, Ressourcenschonung, umweltschonende phytomedizinische Maßnahmen und Nährstoffversorgung der Rebe sowie soziale und ökonomische Maßnahmen im Mittelpunkt.
In einem mehrjährigen Projekt bewerteten Wissenschaftler alle Produktionsmaßnahmen in einem Weinjahr nach ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit. Auf Basis dessen wurde ein Online-Tool geschaffen, in dem österreichische Winzerinnen die Nachhaltigkeit ihrer Arbeitsweise von der Weingartenneuanlage über die Traubenproduktion bis zur Weinerzeugung und -vermarktung beurteilen können. Was das Gütesiegel „Nachhaltig Austria“ einzigartig macht, ist die Berücksichtigung der komplexen Wechselwirkungen der definierten Maßnahmen untereinander. Jede Maßnahme wird hinsichtlich der Auswirkung auf alle anderen Maßnahmen bewertet.
In Summe handelt es sich hierbei um rund 400 Maßnahmen, die eingegeben und beurteilt werden. Bis auf Glyphosat (verboten seit 2018) sind grundsätzlich alle gesetzlich erlaubten Maßnahmen, Pflanzenschutz- und Betriebsmittel zulässig und werden im Gesamtbild in neun Nachhaltigkeitsbereichen bewertet: Qualität, Soziales, Ökonomie, Klima, Material, Energie, Boden, Biodiversität und Wasser.
Die „Nachhaltig Austria“-zertifizierte Fläche liegt bei 12.324 ha und beläuft sich somit auf 28% der Weinbaufläche in Österreich.
706 Betriebe sind „Nachhaltig Austria“-zertifiziert. Darin sind drei Genossenschaften enthalten, die als Einzelbetriebe gezählt werden und insgesamt 1690 ha bewirtschaften. Ein mittlerer „Nachhaltig Austria“-zertifizierter Betrieb bewirtschaftet 9,6 ha (Medianwert).
In den letzten fünf Jahren hat sich die „Nachhaltig Austria“-zertifizierte Fläche mehr als verdreifacht.
Bereits auf 84% der Fläche der „Nachhaltig Austria“-zertifizierten Betriebe wird auf den Einsatz von Herbizid verzichtet, zusätzlich zum generellen Glyphosatverbot. Gleichermaßen kommt auf 80 % der Fläche kein Insektizid zum Einsatz.
Zertifizierung und Kontrolle
Nach vollständiger Dateneingabe im Online-Tool und Erfüllung der definierten Anforderungen kann sich ein Betrieb zur Zertifizierung durch unabhängige, externe Kontrollfirmen (Lacon GmbH oder AgroVet/ Austria Bio Garantie – Landwirtschaft GmbH) anmelden. Diese findet bei einem Audit vor Ort am Betrieb statt. Zertifizierte Betriebe dürfen für das kontrollierte Jahr das Gütesiegel „Nachhaltig Austria“ als privatrechtliche Wort-Bild-Marke verwenden.
Die externen Kontrollfirmen, welche auch die Zertifizierung vornehmen, überprüfen alljährlich die Eingaben im Online-Tool aller zertifizierten Betriebe. Weinhandels- und Genossenschaftsbetriebe werden zudem jedes Jahr vor Ort kontrolliert, klein- und mittelgroße Weinbaubetriebe müssen sich einmal in drei Jahren vor Ort auditieren lassen oder werden zwischendurch bei zufälligen Stichproben unangemeldet kontrolliert.
Grundsätze und Prinzipien für „Nachhaltig Austria“-Zertifizierte Betriebe
Die „Nachhaltig Austria“ Zertifizierung sieht keine konkreten Verbots- oder Gebotslisten vor, sondern Zielvorgaben und als positiv und negativ eingestufte Maßnahmen je Nachhaltigkeitsbereich. Es ist nicht notwendig, dass ein Betrieb jede der über 400 Maßnahmen positiv absolviert, jedoch darf keine der Nachhaltigkeitskategorien in der Gesamtbewertung im Ampelsystem rot eingestuft sein. Maximal zwei Gelbbereiche sind derzeit (noch) zulässig und mindestens sieben Grünbereiche notwendig, um sich für eine Zertifizierung zu qualifizieren. Die Mindestziele, die man für eine positive Bewertung erfüllen muss, werden jedes Jahr angepasst, sodass die Bewertung insgesamt verschärft und die Anforderungen erhöht werden. Somit wird die Hürde für eine „Nachhaltig Austria“ Zertifizierung jedes Jahr ein wenig höher und auch bereits zertifizierte Betriebe werden angehalten, sich stetig zu verbessern.
Generell dürfen alle gesetzlich erlaubten Maßnahmen und Betriebsmittel im Weingarten und Keller angewendet werden. Als einzige Ausnahme ist der Einsatz des Herbizids Glyphosat seit 2018 verboten und wird durch Probenentnahmen streng kontrolliert. Besonders umweltfreundliche Maßnahmen werden besonders positiv bewertet, sodass Betriebe motiviert werden ihre Arbeitsweise entsprechend anzupassen.
