Sarah Spiekermann und die Future Foundation luden in Zusammenarbeit mit der WU Wien Behnam Zakeri ein, um diese Frage zu diskutieren.

Spiekermann´s Erkenntnis aus seinem Vortrag ist, dass es aus ökologischer Sicht ratsam wäre, KI-Dienste als knappe Ressource und nicht als Massenmarktanwendung zu betrachten. Sie schließt daraus, daß wir den CO₂-Fußabdruck der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) einfach unterschätzen. Jeder Mensch habe ein bestimmtes CO₂-Budget pro Kopf, um die globale Erwärmung einzudämmen. Laut einer Studie in Nature aus dem Jahr 2024 wären bereits 41 % dieses Budgets von der IKT verbraucht, noch vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Dies würde bedeuten, daß die IKT doppelt so umweltschädlich ist wie SUVs/Flugreisen (20 %) oder übermäßiger Fleischkonsum (20 %).
Die Generierung eines KI-Bildes verbrauche etwa 22-mal so viel Strom (477 Wh) wie das Aufladen eines Smartphones (22 Wh). Und der Stromverbrauch von Rechenzentren sei für die Regionen, in denen sie sich befinden, verheerend. Beispielsweise würden 50 % des Stroms der Stadt Dublin für Rechenzentren verbraucht. Und einige US-Bundesstaaten müssten mittlerweile die Verbrennung fossiler Brennstoffe verlängern, um Rechenzentren mit Strom zu versorgen- so Spiekermann. Rechenzentren, die als „nationale Sicherheit“ gelten, würden jedoch Vorrang vor Umweltschutzmaßnahmen haben.
Eine Tonne Seltener Erden wiederum führten zu 750.000 Litern saurem Wasser und einer Tonne radioaktiven Rückständen- wobei Regionen wie China, die die Welt mit diesen Ressourcen versorgen, akzeptierten, dass die Wasserverschmutzung in Bergbauregionen 10- bis 100-mal höher werde als normal.
Sarah Spiekermann ist Professorin für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Themen sind ethische KI und IT, Werte in der Technikgestaltung und Datenschutz. Sie entwickelte die Methode „Value-based Engineering“ und ist mitunter Gründerin des Privacy & Sustainability Labs Wien 2016 sowie Mitgründerin der Future Foundation.
Benham Zakeri ist Assistenzprofessor am Institut für Daten, Energie und Nachhaltigkeit (IDEaS) der WU.
Die Future Foundation ist nach eigenen Angaben „ein interdisziplinäres Forum fachlich profilierter und unabhängiger Persönlichkeiten. Sie macht sich zur Aufgabe, Orientierung stiftende, alltagstaugliche Leitlinien zu dringenden und zukunftsweisenden Fragen des guten Lebens in einer digitalen Welt zu erarbeiten“. Mehr Infos: https://www.thefuturefoundation.eu/de
