Die Zeiten, wo nachhaltige Aktien wie lahme Enten im Portfolio saßen, sind lang vorbei. Ausgewählte Titel bringen beste Erträge.
Von Reinhard Krémer

Mit Nachhaltigkeit wird versucht, unseren Planeten zu retten – auch wenn nicht alle sehen wollen oder können, dass das notwendig ist: Einer der Megatrends der 20er Jahre dieses Jahrhunderts bringt Chancen auf vielerlei Ebenen. Denn es fließt viel Geld in Nachhaltigkeitsbestrebungen.
Dabei müssen Anleger sich nicht in Verzicht üben: Nachhaltige Anlagen können mit herkömmlichen Anlageformen vergleichbare Renditen erzielen und übertreffen diese teilweise, wie eine Studie von Finanztip zeigt, bei der ein nachhaltiger ETF eine jährliche Rendite von 13,3 % erzielte, während der klassische MSCI World Index eine Rendite von 13% hatte. Langfristige Renditen von nachhaltigen Anlagen sind also mit denen von traditionellen Anlagen durchaus vergleichbar.
Der Erfolg der weltweiten Bestrebungen wird sichtbar gemacht: Der EPI-Index (seht für Environmental Performance Index; Anm.) der Yale School of Environment misst jedes Jahr den Fortschritt von insgesamt 180 Ländern beim Erreichen ausgewählter Nachhaltigkeitsziele.
Ganz oben am Podest steht heuer Estland mit 75,7; gefolgt von Luxemburg (75,1) und Deutschland (74,5).
Am Ende der Tabelle finden sich nur Länder der so genannten „Dritten Welt“. Schlusslicht Vietnam ist das umweltschädlichste Land der Welt mit einem Indexwert von 24,5 Punkten. Vorletzter ist Pakistan (25,5 Punkte), gefolgt von Laos (26,1), Myanmar (26,9) und Indien mit 27,6 Punkten.
Dieses Ergebnis ist nicht verwunderlich, weil Nachhaltigkeit Geld kostet – und das ist bei den Entwicklungsländern immer knapp.
Weil Nachhaltigkeit also Geld kostet, lässt sich damit auch Geld verdienen. Anleger, die auf ESG-Kriterien bei der Veranlagung setzen, müssen sich nicht mit trocken Brot genügen – im Gegenteil.
Einer der interessanten Aktien ist hier das US-Unternehmen Xylem, das auf Wasseraufbereitung spezialisiert ist. Hier sollte auch die Politikumkehr im Weißen Haus langfristig nicht schaden, denn ohne Wasser wird auch die Regierung Trump nicht auskommen.
Xylem entstand 2011 aus der Abspaltung der Division ITT Fluid von der ITT Corporation. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 8,6 Milliarden US-Dollar – ein gewaltiger Sprung nach oben von den 6,29 Milliarden im Jahr 2023 – und beschäftigt weltweit 23.000 Mitarbeiter. Mit Hauptsitz in Washington D.C. ist man in in über 150 Ländern tätig.
Die Xylem-Aktie konnte während der letzten drei Jahre um knapp 40 % zulegen und notierte zum Redaktionsschluss bei 151 US-Dollar. Heuer lag das Gewinnplus bei mehr als 30 %, während es der S & P-Index es nur auf knapp unter vier Prozent plus brachte.
Einer der Gründe für die Beliebtheit der Aktie unter den Anlegern könnten auch die pünktlichen Dividendenzahlungen sein, die regelmäßig erhöht werden. Dazu passt das Zahlenwerk des Unternehmens: Der Gewinn je Aktie zum dritten Quartal 2025 belief sich auf 0,93 US-Dollar gegenüber 0,890 US-Dollar im Vorjahresquartal. In Sachen Umsatz standen im vergangenen Quartal 2,27 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Dies kommt einer Steigerung um 7,85 % gegenüber dem Umsatz im Vorjahresviertel gleich. Damals hatte Xylem einen Umsatz von 2,10 Milliarden US-Dollar eingefahren. Die Aussichten sind rosig: Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde erhöht. 20 Analysten haben ein Xylem Inc. Kursziel 2026 abgegeben; der Durchschnitt beträgt 168,81 US-Dollar. Eine Einstufung wurde von 27 Analysten vorgenommen: 19 Analysten empfehlen Xylem Inc. zum Kauf, 8 zum Halten und genau 0 zum Verkauf.
Ein heißer Tipp der Anlagecommunity ist die deutsche Nordex: Mit Sitz in Hamburg-Langenhorn ist man auf die Fertigung, Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen spezialisiert; in manchen Märkten ist Nordex ebenfalls in der Planung von Windparks bis hin zu deren schlüsselfertiger Errichtung tätig.
Mehr als 10.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2024 an Standorten in Deutschland, Brasilien, Indien, Mexiko und Polen an die 7,65 Milliarden Euro Umsatz. Zwar gibt´s keine Dividende, doch das Kursplus lag während der letzten zwölf Monate bei rund 120 %. Die Kaufempfehlungen der Analysten wollen bei Nordex kein Ende nehmen: So gab´s von der US-Investmentbank Goldman Sachs weiter ein „Daumen-hoch“ mit einem Kursziel von 31,90 Euro. Deutsche Bank Research hat das Kursziel für Nordex nach dem Bericht zum dritten Quartal von 28 auf 30 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Auch das vierte Jahresviertel werde in diesem Jahr wohl sehr stark, schrieb John Kim in seinem vorliegenden Kommentar. Er attestierte dem Hersteller von Windkraftanlagen gute kurz- und langfristige Dynamik, die allerdings nicht frei von Risiken sei. Der Nordex-Kurs lag zum Redaktionsschluss bei 27 Euro.
Einer der „Dauerbrenner“ bei nachhaltigen Veranlagungen ist Vestas. Der Hersteller von Windkraftanlagen mit Sitz im dänischen Aarhus hatte Ende 2023 über 30.000 Beschäftigte in zahlreichen Ländern, darunter Dänemark, Deutschland, Schweden, Großbritannien, Italien, China, Japan, USA und Australien. Ende 2023 hatte Vestas Windkraftanlagen in 88 Ländern mit einer Leistung über 177 GW installiert.
Der Aktienkurs der Dänen lag zu Redaktionsschluss bei 152 Kronen und hatte im letzten Jahr mehr als 40 % dazugewonnen. Doch Experten sehen noch Gewinnchancen: Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für Vestas nach Zahlen zum dritten Quartal mit einem Kursziel von 195 dänischen Kronen auf „Outperform“ belassen. Das wäre ein Kursgewinn von fast 30 %.
*Alle Zahlen Stand Redaktionsschluss
