Wie viele Lebensmittel landen im Müll, noch bevor sie den Handel erreichen? Das neue Projekt AVÖL liefert einen aktuellen Blick auf die Abfälle in Österreichs Lebensmittelproduktionen.

In Österreich fallen jährlich rund 131 kg Lebensmittelabfälle pro Kopf an. Mehr als die Hälfte entstehen in privaten Haushalten, gefolgt von der Landwirtschaft, Produktion und Gastronomie (42 %) sowie dem Handel (5 %). Gleichzeitig erhöhen Trockenperioden, Ernteausfälle und steigende Rohstoffpreise den Druck auf die Lebensmittelwirtschaft. Jeder vermeidbare Abfall verschwendet wertvolle Ressourcen. Auch die novellierte Abfallrahmenrichtlinie fordert konkrete Schritte: Lebensmittelabfälle in Verarbeitung und Herstellung müssen im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2023 um zehn Prozent reduziert werden.
Alte Zahlen, neue Herausforderungen
Die derzeit verfügbaren Branchendaten stammen überwiegend aus den Jahren 2015 und 2016. Eine damals im Projekt „Abfallvermeidung in der österreichischen Lebensmittelproduktion“ durchgeführte Studie zeigte, dass jährlich 121.800 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle in der heimischen Lebensmittelproduktion anfallen. Doch die mittlerweile zehn Jahre alten Daten reichen heute nicht mehr aus, um wirksame Gegenmaßnahmen für die Betriebe abzuleiten. „Mit AVÖL wollen wir die aktuellen Daten erheben und herausfinden, wo nun die größten Hebel liegen und welche Lösungen in der Praxis wirklich funktionieren“, betont Dominik Gschaider vom Lebensmittel-Cluster Oberösterreich, der das Projekt leitet.
Betriebe schauen genau hin
Dafür befragen die Projektpartner Lebensmittelbetriebe in ganz Österreich zu ihren Abfallmengen, deren Ursachen, zu Entsorgungswegen und bisherigen Maßnahmen zur Abfallvermeidung und Sammlung. Zusätzlich analysiert das Projektteam die Abfälle nach unterschiedlichen Fraktionen in zehn ausgewählten Betrieben. Die Ergebnisse sollen in mindestens fünf Unternehmen direkt in Verbesserungen münden – von optimierten Produktionsabläufen und Transportwegen bis hin zu weniger Verpackungs- und Produktionsabfällen sowie gezielten Mitarbeiterschulungen.
Voneinander lernen
Zu den Betrieben, die sich am Projekt beteiligen wollen, zählt unter anderem die OÖ brotsüchtig GmbH in Steyregg. „Wir versuchen seit vielen Jahren, möglichst verantwortungsvoll mit unseren Rohstoffen umzugehen. Wir kaufen ausschließlich regional und bevorzugt direkt bei den Landwirt:innen ein. Unsere Produktionsmengen planen wir sehr effizient. Bleibt dennoch Brot übrig, geben wir es an Sozialmärkte weiter. Trotzdem sehen wir noch Potenzial, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Wege zu finden, um Lebensmitteverluste zu reduzieren. Deshalb machen wir bei AVÖL mit“, erklären die Geschäftsführer Stefan Faschinger und Oliver Raferzeder.
Wissen in die Branche tragen
Neben neuen Daten und wirksamen Maßnahmen soll ein landesweites Netzwerk gegen Lebensmittelverschwendung entstehen. Damit sollen die gewonnenen Erkenntnisse auch nach Projektende in die Betriebe getragen werden. Unterstützt wird die Initiative von der WKO Sparte Lebensmittelindustrie und den regionalen Lebensmittel-Clustern in Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und Steiermark.
Über AVÖL
Projekttitel: Abfallvermeidung entlang der Wertschöpfungskette der österreichischen Lebensmittelwirtschaft – Fokus Lebensmittel und Verpackungen
Projektpartner:
Business Upper Austria – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH, Lebensmittel-Cluster Oberösterreich (Konsortialführer)
Styrian Food Hub powered by Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. SFG
Pulswerk GmbH – Beratungsunternehmen des Österreichischen Ökologie-Instituts
Universität für Bodenkultur, Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH, Campus Wieselburg
Assoziierte Partner
WKÖ, Fachverband Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie)
ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH, Lebensmittel Cluster Niederösterreich
Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien.
Unterstützendes Sammel- und Verwertungssystem (SVS)
ARA Altstoff Recycling Austria AG
Projektzeitraum: September 2026 bis Februar 2028
AVÖL wird finanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen.
