Positive Tendenz: Berichterstattung der Unternehmen hat sich weiterentwickelt.

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wurde die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa neu aufgestellt. Seit dem Geschäftsjahr 2024 müssen europäische Unternehmen von öffentlichem Interesse nach diesen Regelungen neben ihren Finanzzahlen auch Informationen zu ihren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sowie zu Nachhaltigkeitsrisiken offenlegen. Auch in Österreich ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung mittlerweile gesetzlich verankert.

Drei Monate bevor das Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG), nach zweijährigem Aufschub, nun auch für sehr große nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen greift, wirft Deloitte einen Blick auf den Reifegrad der Berichterstattung. Bei der Deloitte Sustainability Analyse 2026 wurden 43 Nachhaltigkeitserklärungen aus sechs Wirtschaftssektoren beleuchtet (insgesamt werden aktuell von rund 100 österreichischen Unternehmen solche Berichte erstellt).

Berichterstattung wurde weiterentwickelt

Die positive Nachricht: Die Berichte österreichischer Unternehmen haben sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Aber: Ein einheitlicher Qualitätsstandard ist noch nicht erreicht und es gibt einiges Verbesserungspotenzial.

„Die Unternehmen haben bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung Fortschritte gemacht. Gleichzeitig sehen wir aber deutliche Qualitätsunterschiede in den Berichten. Hier haben viele Unternehmen noch Nachbesserungsbedarf“, erklärt Alfred Ripka, Partner und ESG-Experte bei Deloitte Österreich. „Entscheidend sind die internen Prozesse, methodische Herangehensweisen und die Bereitschaft, Nachhaltigkeitsthemen konkret und unternehmensspezifisch zu beschreiben.“

Quantitative Berichterstattung endet beim eigenen Unternehmen

Die Nachhaltigkeitsberichte von Österreichs Unternehmen sind zwar meist inhaltlich schlüssig, sie beleuchten aber viele Themen noch nicht detailliert genug. Deutlich wird das beim Blick über den eigenen Betrieb hinaus: Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette – etwa bei Lieferanten, Geschäftspartnern oder der Nutzung von Produkten – werden zwar häufig beschrieben, aber nur selten messbar gemacht. Mehr als 80 % der untersuchten Kennzahlen beziehen sich ausschließlich auf das eigene Unternehmen.

Auch soziale Themen außerhalb der eigenen Belegschaft werden vielfach nur oberflächlich betrachtet. Dazu zählen Arbeitsbedingungen bei Lieferanten oder Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften. Damit bleiben jene Bereiche, in denen Unternehmen mittelbar auf Umwelt und Gesellschaft einwirken, in der Berichterstattung wenig greifbar.

„Die Nachhaltigkeitsauswirkungen eines Unternehmens enden nicht an der eigenen Haustür. Entlang von Lieferketten und bei sozialen Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaft bleibt in den Berichten vieles unberücksichtigt oder schwer greifbar“, erklärt Alfred Ripka.

Fortschritte sind nur schwer messbar

Besonders deutlich wird die Lücke bei der Messbarkeit: Nur ein Viertel der wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte wird vollständig anhand von Kennzahlen belegt. Betriebseigene Umweltauswirkungen und die Auswirkungen auf die eigene Belegschaft werden bereits umfassend gemessen. Bei anderen sozialen Themen fehlen allerdings oft messbare Größen: Beispiele hierfür sind Auswirkungen auf Konsumenten, lokale Gemeinschaften oder Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette.

„Nachhaltigkeitsberichterstattung sollte nicht bei der Offenlegung von Informationen enden. Ihr eigentlicher Mehrwert entsteht dann, wenn mit den gewonnenen Informationen die eigene Nachhaltigkeitsleistung gezielt weiterentwickelt wird. Dafür müssen Unternehmen wesentliche Themen konkret erfassen, messbar machen und Entwicklungen über die Zeit nachvollziehen. Nur wenn das sichergestellt wird, kann gezielt an Verbesserungen gearbeitet werden“, sagt Alfred Ripka.