Innovationsbeschleuniger für saubere Industrien, Chance für die Kreislaufwirtschaft.

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Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) will die EU-Kommission die Ökologisierung der energieintensiven Industrien in Europa beschleunigen und gleichzeitig saubere Zukunftstechnologien “Made in EU” fördern. Erstmals soll dabei die öffentliche Beschaffung als gezielter Hebel für die Innovationsentwicklung und Nachhaltigkeit dienen. Besonders bei Zukunftstechnologien, bei denen die EU im globalen Vergleich in Rückstand geraten ist, und bei der Kreislaufwirtschaft, in der Österreich über großes Potenzial verfügt, markiert der IAA einen wichtigen Fortschritt. Wichtige Details, wie Labels für emissionsarmen und recycelten Stahl, bleiben vorerst aber noch offen.
„Mit dem Industrial Accelerator Act entscheidet sich die EU seit langem wieder einmal für die saubere Zukunft der Industrie und gegen die fossile Vergangenheit”, sagt Kontext-Vorständin Katharina Rogenhofer. „Leitmärkte sind zentral, um die heimischen Stärken in der Kreislaufwirtschaft und bei Zukunftstechnologien zu hebeln.“
Leitmärkte sind Innovationsbeschleuniger
In nur wenigen Bereichen sind Österreichs Unternehmen so innovativ, wie bei Umwelttechnologien. Besonders sticht dabei die Kreislaufwirtschaft heraus. Viele innovative Geschäftsmodelle scheitern jedoch an der Skalierung. So bleibt wirtschaftliches Potenzial ungenutzt (0,5% BIP und 20.300 Arbeitsplätze bis 2030, laut jüngster Kontext-Studie).
Hier setzt IAA mit den Leitmärkten an. Gezielte öffentliche Nachfrage soll stabile Absatzmärkte schaffen und dazu beitragen, dass Innovationen auch am internationalen Markt reüssieren.
Strategischer Fokus auf Stahl und Aluminium
Zu den strategischen Sektoren, die der IAA priorisiert, zählt auch die Stahl- und Aluminiumindustrie. In diesem Bereich haben österreichische Unternehmen bereits einen Innovationsvorsprung und großes Potential für Wettbewerbsvorteile. Die AMAG erreicht bei Aluminium einen Recyclinganteil bis zu 80 Prozent, die Voestalpine rund 27 Prozent (jeweils laut eigenen Angaben). Die Voest will dieses Potential vergrößern und gleichzeitig aus fossilen Energien aussteigen.
Eine Kontext-Studie vom Dezember zeigt: Die Umstellung der Stahlerzeugung auf Elektrolichtbogenöfen mit Stahlschrott und Wasserstoffreduktion kann die CO₂-Emissionen der Stahlindustrie bis 2040 um 6,35 Millionen Tonnen senken (-84% gegenüber dem Vergleichsszenario). Wird der erforderliche grüne Wasserstoff vollständig mit erneuerbaren Energien produziert, werden weitere 1,1 Millionen Tonnen an CO₂-Emissionen vermieden. Das wirkt sich auch auf die Preise aus: Der Umstieg führt zu einem Rückgang der Output-Preise im Metallsektor um 1,3 Prozent im Jahr 2040.
Label für emissionsarme und recycelte Stahl fehlt
Während der IAA wichtige Impulse setzt, bleiben zentrale Punkte wie einheitliche Standards für emissionsarme und recycelte Produkte noch offen. Das gilt vor allem für ein Label für sauberen Stahl, das auch seitens der Industrie gefordert wurde. Hier sind nun weitere Zusätze zur geltenden Ökodesign-Verordnung notwendig, wofür es keinen Zeitplan gibt. Zudem ist der “Low Carbon”-Mindestanteil in der Beschaffung von Stahl und Aluminium mit 25 Prozent eher unambitioniert. Auch eine Definition von “Low Carbon” steht vorerst aus.
Hintergrund
Der IAA wurde im Februar 2025 als Herzstück des Clean Industrial Deals angekündigt. Neben den Leitmärkten soll das Gesetz die Ökologisierung von energieintensiven Industrien und saubere Zukunftstechnologien in der EU stärken, indem es ausländische Direktinvestitionen beschränkt, Genehmigungsverfahren für die Industrie vereinfacht und Mitgliedsländer verpflichtet, industrielle Beschleunigungsgebiete auszuweisen.
